Sie sind hier:  >> Freizeit+Tourismus  >> Kulturelle Einrichtungen 

Suche

  |  

Kontakt

  |  

Sitemap

  |  

FAQ

  |  


Geschichte

Der Strom kommt aus Oldau

Im Jahre 1910 gingen in den Ortschaften um Oldau zum ersten Mal die elektrischen Lichter an. Jetzt, fast 90 Jahre danach. eine vergleichsweise kurze Zeitspanne, die aber wie keine andere geprägt ist von der wechselvollen Geschichte unseres Landes und seiner Menschen, von Erfolgen und Rückschlägen, von Kriegen und vom Wiederaufbau, sollen der technische Fortschritt und die verbesserte Entwicklung unserer Region kurz dargestellt werden.

Für unsere Großeltern waren der Griff zum Stromschalter und der Schein des elektrischen Lichtes durchaus nicht selbstverständlich. Noch um die Jahrhundertwende war gute Beleuchtung ein Luxus der Oberschicht. Kerzen, Brennstoff und Lampen konnte die Mehrzahl der Bevölkerung nicht bezahlen. Und Strom gab es allenfalls in einigen Großstädten. nicht aber bei uns in Oldau.

Zunächst wurden in den Städten nur einzelne Häuserblocks mit Strom beliefert, dann ganze Stadtteile.
Die Geburtsstunde der eigentlichen Überlandversorgung kam überhaupt erst im Jahre 1891 auf. Damals gelang es Oskar von Miller erstmals, elektrische Energie auf einer Hochvolt- Leitung über eine Strecke von etwa 180 km von Lauffen am Neckar bis nach Frankfurt zu transportieren, ein gewaltiger Schritt nach vorn. Doch bis zum Aufbau einer wirtschaftlichen und sicheren Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Strom war noch ein langer Weg zurückzulegen.
Die Keimzelle der Stromversorgung unserer Region liegt in den Allerzentralen in Oldau, die im Zusammenhang mit der Allerkanalisierung entstanden sind. Im Jahre 1908 beschließt der Königliche Preußische Staat auf Drängen der Celler Schleppschiffahrts-Gesellschaft die Kanalisierung der Aller von Celle bis zur Leinemündung. Schon ein Jahr später, im Jahre 1908, wurde zwischen dem Staat und der Stadt Celle ein Vertrag unterzeichnet, in dem der Preußische Staat sich verpflichtet, die Aller zu kanalisieren und auf Dauer schiffbar zu halten. Die Stadt hatte einen Teil der Kosten zu tragen und im Gegenzug das Recht erhalten, die durch die Stauwehre entstehende Wasserkraft zu nutzen.

So war die Voraussetzung für das Kanalisierungsprojekt mit vier Staustufen in Oldau, Bannetze, Marklendorf und Hademstorf geschaffen. Von den vier geplanten Wasserkraftwerken erwiesen sich nach genauerer Prüfung nur Oldau und Marklendorf als interessant. Eine Staustufe bei Hademstorf erwies sich durch den Rückstau der Leine als nicht mehr ausbaufähig, während bei Bannetze der Stau nicht annähernd auf der vorgesehenden Höhe gehalten werden konnte.
Zur Unterstützung der Arbeiten an den Allerzentralen wurde in Oldau im Jahre 1908 mit dem Bau eines Kohlekraftwerkes begonnen (s. Bericht des Heimatboten vom 9. August 1908 ). Zunächst wurden für das Dampfkraftwerk ein Maschinen- und Kesselhaus mit Werkschornstein der weit im Land sichtbar war, ein Kondensationskeller und Schalträume, ein Anbau zur Aufnahme der Transformatoren, eine Reparaturwerkstatt. ein Kohleschuppen sowie Büro und Nebenräume erstellt. In dieses Dampfkraftwerk wurden vier Steinmüller-Kessel sowie zwei Turbinen eingebaut.

Der Platz in den Räumlichkeiten reichte noch aus für eine weitere Dampfturbine und zwei weitere Dampfkessel. Diese baulichen Anlagen befanden sich seinerzeit auf dem eingezäunten Gelände. auf dem sich jetzt die Freiluftschaltanlage der Preussen-Elektra bzw. der HASTRA befindet. Für die Unterbringung des Personals wurden an der heutigen Schleusenstraße drei Häuser für 10 Familien errichtet. Die Häuser zählten in Oldau damals zu den modernsten, insbesondere deswegen, weil schon Toiletten mit Wasserspülung eingebaut waren. Heute befinden sich diese Häuser in Privatbesitz.
Die Hochspannungsleitungen für 15.000 Volt mit ihren Transformations-Stationen für das Ölgebiet Wietze wurden zuerst gebaut. Für dieses Ölgebiet sind von Oldau aus zwei auf getrennten Wegen verlegte Hochspannungsleitungen ausgeführt worden, um eine möglichst große Betriebssicherheit zu erreichen.

Die Betriebseröffnung des Dampfkraftwerkes Oldau und die erste Stromlieferung an das Ölgebiet Wietze fand am 19. Mai 1909 statt. Die in der Nähe liegenden Ortschaften erhielten ebenfalls Stromanschluß. Die eingebauten Stromerzeugungsanlagen waren schneller als erwartet voll ausgelastet, so daß der für später gedachte Platz schon früher mit Kessel- und Maschinenanlagen bestückt werden mußte. Das 1909 eröffnete Dampfkraftwerk mußte schon 1910 erweitert werden. Es wurden zu dieser Zeit ungeheuere Mengen Kohle in den Feuerungsanlagen des Dampfkraftwerkes verheizt.
Ständig lagen Schiffe mit riesigen Ladeflächen an der Stelle, an der sich heute der Anleger für die Fahrgastschiffe befindet: über Förderbänder wurde ihre Ladung gelöscht. Die so herangeschafften Mengen Kohle reichten nicht einmal aus. Es wurde zusätzlich ein Gleisanschluß verlegt, um auch Kohle mit der Bahn heranzuschaffen. Ältere Einwohner Oldaus berichteten, daß die Fördereinrichtungen und der Betrieb des Dampfkraftwerkes für die damalige Zeit einen ungewohnt hohen Geräuschpegel hatten, der bis an den Ortsrand hörbar war. Täglich verheizte man damals die gewaltige Menge von 1500 Zentnern Kohle. Zur Erzeugung nur einer Kilowattstunde Strom benötigte man 800 Gramm des schwarzen Goldes!

Der Anschluß an das Stromnetz war eine Entscheidung von großer Reichweite. Überlandleitungen und Masten veränderten das Ortsbild und auch das Landschaftsbild der Umgebung stark. Bei der Winsener Schule wurde ein Transformationshäuschen errichtet, in dem der zugeführte Strom von 15.000 Volt auf 110 Volt transformiert wurde. Am 01. Oktober 1911 war es dann soweit: in den Straßen Winsens brannte das erste elektrische Licht.
Im Jahre 1910 wurde mit dem Bau des Wasserkraftwerkes begonnen (s. Bericht des Heimatboten vom 15. Mai 1910 ). Bereits ein Jahr später, 1911 konnte es in Betrieb genommen werden. Die Leistung des Wasserkraftwerkes betrug 300 kW bei einer Höchstleistung von 420 kW. Dieses entsprach damals der Stromversorgung von etwa 200 Haushalten. Das Wasserkraftwerk wurde anfangs mit einem Hochspannungsgenerator betrieben, der aber schon bald durch Blitzeinschlag beschädigt wurde. Später kam ein Niederspannungsgenerator mit 1500 Umdrehungen in der Minute zum Einsatz.

 

Bitte anklicken für größere Darstellung

Bitte anklicken für größere Darstellung 

Das Wasserkraftwerk wurde auch ständig vergrößert, bis es schließlich mit einer vierten Maschine im Jahre 1923 eine Leistung von 4.000 kW erbrachte. 1926 war der Bau eines Umspannwerkes nötig. um den Strom, der selbst heute noch bis in die Landkreise Lüchow und Uelzen geliefert wird, mit möglichst wenig Verlust über die Strecke zu transportieren. Im Umspannwerk wurde der Strom damals auf 60.000 Volt hochtransformiert.
Im Sommer 1926 verkaufte die Stadt Celle die Allerzentralen an die Preussen-Elektra. In den Jahren von 1934 bis 1937 wurde das Dampfkraftwerk bis auf die Kellergewölbe abgerissen und abgetragen. Reste der Grundmauern sind noch heute erkennbar, so daß der Standort dieses Werkes noch zu erkunden ist.1969 verkaufte die Preussen-Elektra das Umspannwerk an die HASTRA. Diese riß die vorhandenen Gebäude ab und errichtete die jetzige Freiluft-Schaltanlage, die von der Schaltzentrale Netzko-Lehrte überwacht und ferngesteuert wird.

 

1972 wurde das Wasserkraftwerk von der Preussen-Elektra wegen zu hoher Personal- und anstehender Reparaturkosten stillgelegt: es sollte abgerissen werden. Schon bald nach dem Stillstand der Turbinen wurde die Werksanlage von den Kindern als Abenteuerspielplatz eingenommen. Die Fensterscheiben wurden eingeworfen und die früher sehr gepflegte Anlage verfiel zusehens.
Zum Glück wurde dann im Jahre 1974 der Abbruch des Gebäudes durch eine Verfügung des Regierungspräsidenten in Lüneburg untersagt. Die Anlage wurde in diesem Zusammenhang zum technischen Denkmal erklärt. Damit haben wir in Oldau das einzige Wasserkraftwerk in der Bundesrepublik, das in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist.

Großer Dank gebührt dem Unternehmer Willi Dörge, der mit Pioniergeist und viel Arbeit 1982 mit dem Wasserkraftwerk Oldau wieder Strom ins Netz lieferte.

 

Bitte anklicken für größere Darstellung

Bitte anklicken für größere Darstellung 

Es laufen drei Francis-Schachtturbinen, je 30 cm höhenversetzt. um so bei jedem Wasserstand arbeiten zu können. Die Turbinen sind hintereinander geschaltet und treiben über glockenförmige Holzkammräder die liegende Generatorwelle an. Es handelt sich hier um eine besonders interessante Kraftübertragung.von einer senkrechten Turbinenwelle über mit Holzkämmen versehene Glockenräder auf die waagerechte Generatorwelle.
Das Gefälle. das die Turbinen antreibt, beträgt zwischen der Untersohle und Oberkante des Wassers 4,0 Meter.

 

Die Leistung des Wasserkraftwerkes ist durch den Einbau einer moderneren, computergesteuerten, hydraulischen Leitschaufelverstellung (mehr wurde durch die Denkmalschutzbehörde nicht genehmigt) auf 650 kW gesteigert worden.
Die aufgestellte Rechenreinigungsmaschine und die inzwischen eingebauten automatischen Überwachungs- und Meldeanlagen haben die Arbeiten im Wasserkraftwerk auf das Minimum reduziert. so daß die Anlage seit einiger Zeit wieder wirtschaftlich arbeitet. Die Faszination liegt darin, daß es immer noch die alte Turbinenanlage von der Firma Amme, Giesecke und Konegen, Braunschweig, mit der elektrischen Anlage von der AEG ist, die in Betrieb ist.

Seit 1911 hören die Oldauer, besonders nachts, das eintönige Dröhnen der Turbinen bis zum Rande des Dorfes.

 

Suche

  |  

Kontakt

  |  

Sitemap

  |  

FAQ

  |